Neuzeit
Die Peloponnes war seit 1460
ein Teil des großen osmanischen Reiches. Die türkische Herrschaft brachte für die Bevölkerung schwere Härten mit sich, vor allem durch die Benachteiligung der Christen und das rigide Steuersystem. Der französische Geograph Michel Antonio Baudraud schreibt 1682: "Während des letzten Jahrhunderts wurde die Region von den herrschenden Türken schlecht verwaltet. Sie ist jetzt sehr spärlich besiedelt. Nur wenige Menschen leben dort in Ruinen." Die fruchtbaren Küstenebenen waren weitgehend in türkischer Hand. Viele Griechen zogen sich in die unzugänglichen Bergdörfer zurück, um den gefürchteten Steureintreibern zu entgehen. Dort lebten sie von Weidewirtschaft, Handwerk, Oliven- und Rosinenproduktion.
Aus pragmatischen Gründen wurde die orthodoxe Kirche von den Besatzern geduldet. Kirchen, Klöster und "geheime Schulen" wurden zu Bewahrern der griechischen Sprache und Tradition. Der latente Widerstand mündete 1769 in einen Aufstand, der von der russischen Kaiserin Katharina II. und den Brüdern Orloff aus eigenem Machtineresse angezettelt worden war. Die Russen boten jedoch wenig Unterstützung, und so wurde die Rebellion blutig niedergemacht.

Auf dem Weg in die Moderne
In den folgenden Jahren entstand ein griechischer Geheimbund, die "Filiki Eteria", der sich die Befreiung Griechenlands zum Ziel setzte. Überall in Europa engagierten sich philhellenische Bewegungen im 19. Jdt. für die griechische Sache. Die europäischen Großmächte stellten sich allmählich auf die griechische Seite.
Die Peloponnes, und hier vor allem Achaia, waren Vorreiter im griechischen Befreiungskampf. Im Januar 1821 gab es ein geheimes Treffen in Vostitsa (Aigio). Am 25. März 1821 versammelten sich die Verschwörer im Kloster Agia Lavra, wo Bischof Germanos von Patras den Aufstand ausrief. Die Versammelten schworen den Eid "Freiheit oder Tod". Aigio war die erste Stadt der Peloponnes, die 1821 unter Führung von Andreas Londos befreit wurde.

Das Ende der türkischen Herrschaft
Doch die Osmanen schlugen zurück. Ibrahim Pascha, der Sohn des ägyptischen Vizekönigs Ali Pascha, brandschatzte und verwüstete die Peloponnes. Das Eingreifen der europäischen Mächte gab den Ausschlag. Am 7. Oktober 1828 wurde die Festung von Patras von französischen Truppen befreit.
Andreas Zaimis aus Kalavrita, Andreas Londos aus Aigio, Athanasios Kanakaris und Venizelos Roufos waren bedeutende Führer des Unabhängigkeitskrieges in Achaia. Im neu erstandenen griechischen Staat, zunächst unter Kapodistrias, dann unter König Otto, spielten diese Männer eine gewichtige Rolle.
Die gesamte Peloponnes hatte unter den grausamen Vergeltungsmaßnahmen Ibrahim Paschas schwer gelitten. Die Stadt Patras war in den Kämpfen völlig zerstört worden. Doch die Region Achaia erholte sich rasch. Patras und Aigio wurden im klassizistischen Stil wieder aufgebaut. Die beiden Hafenstädte entwickelten sich zu bedeutenden Handelszentren.

 

Ausschnitt aus einem Gemälde von Theodoros Vryzakis, 1865: Bischof Germanos von Patras weiht die Fahne des Freiheitskampfes.

Das 20. Jahrhundert
Unter der deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg wurden die Berge Achaias zu einem Operationsgebiet des griechischen Widerstandes. In der historischen Bergstadt Kalavrita (das antike Kynaitha) ereignete sich ein grausames Massaker der deutschen Wehrmacht an der unbeteiligten griechischen Zivilbevölkerung. Als angebliche Vergeltung für Aktionen der Partisanen erschossen deutsche Sodaten am 13. Dezember 1943 alle männlichen Bewohner Kalavritas, etwa 1300 Menschen, Kinder und Alte eingeschlossen. Anschließend wurde die Stadt angezündet und völlig zerstört. Die deutschen Kriegsverbrechen in Griechenland sind bis heute nicht angemessen gesühnt und entschädigt worden.
Links zu Kalavrita:
http://www.hellenism.net/de/kalavrita.htm
http://www.ev-akademie-boll.de/aktuell/distomo.htm
http://www.vvn-bda.de/nuernberg/kalavrita.htm

Viele der imposanten Bergdörfer Achaias wurden im 20. Jdt. aus ökonomischen Gründen ganz oder teilweise verlassen. Die Besiedlung konzentrierte sich in den fruchtbaren Küstenebenen. Die Region ist agrarisch geprägt, mit wenigen Industriegebieten und hoher Arbeitslosigkeit. Mit Projekten aus EU-Mittel soll die Präfektur Achaia gefördert werden. Die Landbrücke zum Festland bei Rio an der schmalsten Stelle des Golfes von Korinth befindet sich im Bau. 
Link:
http://www.gefyra.gr/
Der Hafen von Patras soll modernisiert, das innergriechische Autobahnnetz von Patras aus ausgebaut werden.
Zugleich werden Projekte zum Schutz der natürlichen Umwelt in den gefährdeten Berg- und Küstenregionen ins Leben gerufen.

Zurück:    

 

 

 

Home   Achaia    Info     Natur     Mythos    Geschichte    Ausgrabungen    Helike     Links+Literatur