Die Taten des Herakles
Herakles ist einer der berühmtesten griechischen Heroen. Um seine Gestalt rankt sich eine Vielzahl von Sagen. Am bekanntesten ist der Zyklus seiner zwölf Arbeiten: Aufgaben, die er im Auftrag des Königs Eurystheus lösen muß und die übermenschliche Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit verlangen. Zwei dieser Arbeiten sind mit Achaia verbunden.

Die Hirschkuh von Keryneia
Dieses starke, edle und überaus schnelle Tier war der Göttin Artemis heilig. Daher mußte Herakles die Hindin lebend einfangen, ohne sie zu verletzen. Die Hirschkuh war aus der Obhut der Göttin entflohen und lebte in den Hügeln bei Keryneia. (Reste der antiken achäischen Stadt Keryneia sind in der Nähe des Dorfes Mamussia aufgefunden.)
Herakles hetzte die heilige Hirschkuh ein ganzes Jahr lang. Die Jagd führte ihn bis an die Grenzen der Welt. Schließlich flüchtete sich das erschöpfte Tier zum Berg Artemision in Arkadien. Von Durst geplagt, stieg es zum Fluß Ladon hinab.
Hier gelang es Herakles, die Hirschkuh unverletzt zu überwältigen. Auf dem Weg nach Mykene trat ihm Artemis entgegen und beschuldigte ihn, die  Hirschkuh gequält zu haben. Herakles verwies auf seine Zwangslage und die Verantwortung des Eurystheus. So vermochte er den Unmut der strengen Göttin zu besänftigen. Später ließ Herakles die Hirschkuh frei.

Herakles bezwingt die Hirschkuh von Keryneia

Herakles überwältigt die Hirschkuh von Keryneia. Metope vom Athener Schatzhaus in Delphi, 500 v. Chr.

Der erymanthische Eber
Das Erymanthos-Gebirge war der Artemis heilig. Schon bei Homer heißt es, daß die Göttin mit ihrem Gefolge von Nymphen auf dem Erymanthos und dem Taygetos zur Jagd geht.
Auf den Hängen des Erymanthos lebte ein Ungeheuer, ein wilder Eber, der die Wälder verwüstete und Wanderer angriff. Auch dieses Tier sollte der Held nach dem Willen des Eurystheus einfangen und lebend nach Mykene bringen.
Herakles trieb den Eber mit wilden Schreien in einen Schneehaufen, sprang auf seinen Rücken und fesselte ihn. Dann trug er das furchterregende Tier auf seinen Schultern nach Mykene, wo sich der feige Eurystheus voller Angst in einem Vorratsgefäß versteckte.

 

Der erymanthische Eber

Detail einer Schale. 530-520 v. Chr., Paris, Louvre

Dexamenos von Olenos
Auf seinen Wanderungen gelangte Herakles in die achäische Stadt Olenos und wurde dort von König Dexamenos freundlich aufgenommen. (Olenos lag im Hinterland von Kato Achaia/Dyme am Fluß Peiros.)
Herakles verlobte sich mit Deianira, der Tochter des Dexamenos. Als Herakles abwesend war, zwang der wilde Kentaur Eurytion den König, ihm Deianira zur Frau zu geben. Doch am Tag der Hochzeit erschien Herakles und tötete Eurytion und dessen Brüder.

In der Nähe von Dyme (das heutige Kato Achaia) befand sich die Grabstätte des Polystratos. Dieser war ein Freund des Herakles. Nachdem Polystratos im Kampf an seiner Seite gefallen war, setzte ihm Herakles das Grabmal und opferte zum Zeichen seiner Trauer eine Haarlocke.

Das Orakel von Bura
In einer Höhle im Fels unterhalb der Stadt Bura war ein Kultplatz des Herakles mit einem Orakel. Die Besucher warfen Würfel und lasen die Texte zu ihrem Wurf von einer Tafel ab. - Überreste des antiken Bura befinden sich bei dem Ort Kastro in den Hügeln über Diakofto. Reste der Kultstätte sind heute noch zu sehen.

Der Held, die Natur und der Tod
Herakles vereinte in sich alle körperlichen und geistigen Vorzüge eines Helden: Mut, Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft und Gewandtheit. Dennoch waren ihm ein entbehrungsreiches Leben und ein tragischer Tod bestimmt.
Er ist der Typus des Überwinders. In den meisten seiner Arbeiten überwältigt er mythische Ungeheuer. Diese Schreckgestalten stehen für die bedrohlichen und übermächtigen Naturgewalten.
Die Jagd auf die Hirschkuh von Keryneia nimmt  eine Sonderstellung ein. Das Tier steht unter dem Schutz der Artemis, der Göttin der wilden und unberührten Natur. Der unbesiegbare Held steht hier einer größeren Macht gegenüber, die er respektieren muß. 
In seiner letzten Arbeit gelingt es ihm, den Tod zu bezwingen. Um Kerberos, den Höllenhund, zu fangen, muß er in die Unterwelt hinabsteigen und wieder zur Erde zurückkehren. Nach seinem qualvollen Flammentod wird er unter die unsterblichen Götter aufgenommen.
Im späteren philosophischen Verständnis ist Herakles der Held, der sich selbst besiegt: Aus bewußter, freier Entscheidung stellt er sich den Herausforderungen und Anstrengungen seines Lebens.

          

 

 

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