Versunkene Stadt Helike
Ein heftiges Erdbeben erschütterte im Jahre 373 v. Chr. die mächtige Stadt Helike in Achaia. Es war eine Nacht im Winter; die Einwohner wurden im Schlaf überrascht. Nur wenige konnten aus den eingestürzten Häusern flüchten. Doch sie fanden keine Rettung. Eine riesige Flutwelle erhob sich vom zwei Kilometer entfernten Meer, sie überspülte die Stadt und die fliehenden Menschen. Helike ging unter. Keiner der Bewohner überlebte. Die ausgesandten Helfern konnten die Leichen nicht bergen. Zehn spartanische Kriegsschiffe, die im Hafen von Helike ankerten, wurden ebenfalls in die Tiefe gerissen. Noch Jahrhunderte später sahen Reisende die Reste von Gebäuden unter Wasser.
So schildern antike Schriftsteller die schwerste Naturkatastrophe des klassischen Griechenlands. Die Tragödie inspirierte den Zeitgenossen Plato zum Mythos vom versunkenen Atlantis.

Poseidon, der Erderschütterer
Vor ihrem Untergang war Helike die führende Stadt in Achaia, Zentrum des ersten Achäischen Bundes. Sie gründete bedeutende Kolonien wie Priene in Kleinasien und das sagenhaft reiche Sybaris in Unteritalien. Helike besaß das Heiligtum des Poseidon Helikonios, das bereits bei Homer erwähnt und in ganz Griechenland berühmt war. Poseidon, Gott des Meeres und der Erdbeben, der auch den Beinamen "Erderschütterer trägt, bewirkte laut Pausanias den Untergang seiner eigenen Stadt, weil die Bürger "Schutzsuchende vom Heiligtum ferngehalten und getötet" hatten.

Die Suche nach dem wahren Atlantis
Die modernen Archäologen vermuteten die Ruinen des antiken Helike am Grunde des Golfes von Korinth, bedeckt von Schlammablagerungen. Man hoffte, eine ganze Stadt "wie ein Schiffswrack" zu finden: über die Jahrtausende gut konserviert und allen zerstörerischen Einflüssen durch Mensch und Umwelt entzogen.
Doch die Suche auf dem Meeresboden blieb erfolglos. Mittlerweile hatte eine Gruppe von Wissenschaftlern eine neue Theorie entwickelt. Die Überreste der Stadt sollten demnach in der fruchtbaren Küstenebene liegen, nahe den Dörfern Eliki und Rizomylos, zwischen den Flüssen Kerynites und Selinous.
Unter dem Wasserspiegel einer Inland-Lagune hätten die antiken Schriftsteller die überflutete Stadt gesehen. Später haben Anschwemmungen der Flüsse die Lagune verlanden lassen und die versunkene Stadt mit Erde bedeckt.

 

Bronzemünze aus Helike mit dem Kopf des Poseidon und der Inschrift ELIK. Auf der Rückseite ein Dreizack, flankiert von zwei Delphinen (Staatliche Museen zu Berlin)

Die Entdeckung des antiken Helike
Ein griechisch-amerikanisches Forscherteam unter Leitung der Archäologin Dora Katsonopoulou gräbt seit 1991 in der Ebene von Eliki. Neolithische, mykenische,  klassische, hellenistische und römische Funde kamen zu Tage. Der Stätte zeigt eine bemerkenswerte Siedlungskontinuität.
Besonders erfolgreich waren die Grabungen in den Jahren 2000 und 2001.Es gilt als sicher, daß die ersten Überrreste der verschwundenen Stadt Helike jetzt gefunden sind.
In drei Metern Tiefe stießen die Ausgräber auf gut erhaltene Gebäude aus klassischer Zeit sowie auf Keramik und Münzen aus dem 4. Jht. v. Chr.;  die Funde waren bedeckt von einer dicken Lehmschicht, die Brackwasser-Weichtiere enthielt.
Eine bronzezeitliche Siedlung, etwa 2400 v. Chr., wurde in 4 Metern Tiefe in der Nähe des Dorfes Ryzomilos ergraben. Die Zerstörungen der Häuser deuten darauf hin, daß die prähistorische Ahnin von Helike ebenfalls Opfer eines schweren Erdbebens wurde.
Sogar ein Teil der römischen Straße, die der reisende Schriftsteller Pausanias auf seinem Weg nach Helike benutzte, wurde entdeckt. Und eben diese Straße - Leophoros - könnte die Forscher zum Zentrum Helikes führen, zu reichen Häusern, Tempeln und Statuen sowie zum einstmals weithin berühmten Heiligtum des Poseidon.
Die Grabungen werden fortgesetzt. Man darf hoffen, daß die griechische Erde in den nächsten Jahren eines ihrer letzten Geheimnisse preisgeben wird.

 

 

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